VEWA - Neues Abrechnungsmodell zur verbrauchsabhängigen Energie- und Wasserkostenabrechnung

In Mehrfamilienhäusern ist der Energie- und Wasserverbrauch der einzelnen Wohnungen sehr unterschiedlich und hängt wesentlich vom Verhalten der Bewohner ab. So variiert der Energieverbrauch für die Heizung in gleich grossen Wohnungen um Faktor 3, beim Wasser gar um Faktor 8. Die verbrauchsabhängige Energie- und Wasserkostenabrechnung (VEWA) schafft Transparenz, Gerechtigkeit und einen Anreiz für den sorgsamen Umgang mit den Ressourcen. Das Bundesamt für Energie veröffentlicht heute ein neues Abrechnungsmodell.

Es richtet sich an Abrechnungsfirmen, Baufachleute wie Architekten, Ingenieure und Installateure sowie an Liegenschaftsverwaltungen und Eigentümerschaften. Sie sollen das neue Abrechnungsmodell ab 2017 bei Neubauten und sanierten Bauten, die wärmetechnisch einen Neubaustandard erreichen, anwenden. Das bisherige Abrechnungsmodell zur verbrauchsabhängigen Heiz- und Warmwasserkostenabrechnung (VHKA) bleibt für übrige Gebäude weiterhin gültig.

Patrik Lanter, Präsident des SVW, nimmt dazu im Interview mit Radio SRF Stellung.


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Universitätsstudie: Neubauten bergen grosses Verschwendungspotential!

In Deutschland, wo sämtliche Gebäude seit 2007 über einen Energieausweis verfügen müssen, zeigen sich massive Unterschiede zwischen sogenannten Energieverbrauchsausweisen und Energiebedarfsausweisen. Beim verbrauchsbasierten Energieausweis wird auf den tatsächlichen Verbrauch abgestellt. Beim bedarfsbasierten Energieausweis wird der erwartete Verbrauch ermittelt, entsprechend dem energetischen Standard. Dabei wird ein normiertes Benutzerverhalten unterstellt.

Jetzt zeigt sich, dass in teil- und unsanierten Gebäuden oft weniger Energie verbraucht wird, als im Energiebedarfsausweis errechnet. Die Bewohner haben sich sparsamer verhalten, als im Modell unterstellt wird. Im Gegensatz dazu zeigt sich in sanierten und neuen Gebäuden, dass der effektive Verbrauch häufig über dem errechneten Energiebedarf liegt. Dieses Phänomen wird als Rebound-Effekt bezeichnet.

Die technische Universität Dresden hat im Jahre 2013 dieses Verhalten durch eine grossangelegte Studie eindrücklich bestätigen können. Der Energieverbrauch für unterschiedliche Gebäudeklassen ist in einer Simulation errechnet worden. Dabei ist nach Grösse, Baualter und Versorgungsart differenziert und ein bestimmtes Nutzerverhalten unterstellt worden. Diese Daten sind mit real gemessenen Verbräuchen aus 3,3 Millionen Heizkostenabrechnungen verglichen worden.

 

Erst nach Anpassung der Simulationsparameter durch Variation von Raumtemperatur und Luftwechsel haben die tatsächlichen Verbrauchsdaten nachvollzogen werden können. Es zeigte sich, dass sich die Nutzer weitaus unterschiedlicher verhalten, als im standardisierten Verfahren unterstellt.  Sie sind in teil- und unsanierten Bauten sparsamer, indem sie die Beheizung stärker auf die Raumnutzung anpassen und bewusster lüften. In modernen Gebäuden hingegen schlägt der sogenannte Rebound-Effekt zu. Die Bewohner wissen, dass die Wohnung einen geringen Energiebedarf hat, woraus eine gewisse Laissez-Faire-Haltung resultiert. Der erwartete niedrige Energieverbrauch tritt so nicht ein.

 

Raumtemperaturen und Baustandard

 

"Verschwendungspotential" nach Baustandard

 

Diese Grafik zeigt die Messungen der Raumtemperaturen in den unterschiedlichen Gebäudeklassen. Dabei kann mit zunehmender energetischer Qualität, eine deutliche Erhöhung der mittleren Raumtemperatur festgestellt werden.

Eine Erhöhung der mittleren Raumtemperatur um 2 Kelvin wirkt sich auf die unterschiedlichen Gebäudealter und -qualitäten unterschiedlich aus. Die proportionale Verbrauchsänderung variiert von 19,1% bis 23,2%. Das heisst, in modernen Bauten ist der proportionale Einfluss des Nutzerverhaltens grösser als in Bestandesbauten.

 

Studie Uni Dresden 

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Standardmodell für die verbrauchsabhängige Wasserkostenabrechnung

Die Kosten für Frischwasser, Abwasser und Warmwassererzeugung nehmen tendenziell laufend zu. Damit Wohnungsnutzer ihren eigenen Verbrauch bezahlen, werden bereits in jedem zweiten Neubau Wasserzähler installiert. Für die Kostenabrechnung gab es bisher keine Richtlinie – das ändert nun ein neues Abrechnungsmodell für die verbrauchsabhängige Wasserkostenabrechnung (VWKA), welches vom Schweizerischen Verband für Wärme- und Wasserkostenabrechnung SVW ausgegeben wird.

Wasser ist selbst in der Schweiz ein kostbares Gut. So bezahlt man in einer Durchschnittswohnung für den Warm- und Kaltwasserverbrauch bis Fr. 1'000 pro Jahr. Da die Konsumdifferenzen zwischen vergleichbaren Wohnungen enorm sind, kommen vermehrt Wohnungswasserzähler zum Einsatz. Auch bei Altbauten werden immer häufiger Messgeräte nachgerüstet, um künftig eine gerechte Abrechnung zu gewährleisten. Währenddem für die verbrauchsabhängige Heizkostenabrechnung (VHKA) ein Abrechnungsmodell vorhanden ist und von der Branche angewandt wird, fehlte bisher eine ähnliche Grundlage für die verbrauchsabhängige Abrechnung der Wasserkosten. Dabei stellen sich Fragen, wie z.B. Anteil Grundkosten, Detaillierungsgrad, Abrechnung allgemeine Waschmaschinen…?

Das Abrechnungsmodell für die verbrauchsabhängige Wasserkostenabrechnung (VWKA) gibt auf diese Fragen Antwort. Die empfohlene Abrechnungsstruktur stützt sich auf umfangreiche Untersuchungen der Wasserkosten und der Verbrauchsarten in Mehrfamilienhäusern. Im Anhang der Broschüre sind die statistischen Resultate dieser Untersuchungen ersichtlich. Das Abrechnungsmodell zeigt den Aufbau der Abrechnung anhand von Beispielen zu Kostenaufstellung, Ablesequittung und Wohnungsabrechnung. Ebenfalls wird auf die rechtlichen Rahmenbedingungen und die technischen Voraussetzungen eingegangen. Die VWKA steht häufig in engem Zusammenhang mit der verbrauchsabhängigen Heizkostenabrechnung (VHKA). Beide Systeme sollten technisch und administrativ aufeinander abgestimmt sein, wodurch die Wasserkostenabrechnung mit geringem Mehraufwand realisiert werden kann.

Ein Rechtsgutachten bestätigt die Vereinbarkeit des Abrechnungsmodells mit dem geltenden Mietrecht. Die Anwendung des Modells bei verbrauchsabhängiger Abrechnung wird auch vom SVIT Schweiz (Schweizerischen Verband der Immobilienwirtschaft) und dem Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverband Deutschschweiz empfohlen. Da sich mit dem Schweizerischen Verband für Wärme- und Wasserkostenabrechnung alle schweizweit tätigen Abrechnungsfirmen nach dem neuen Abrechnungsmodell richten, dürfte in Zukunft eine möglichst einheitliche Abrechnungspraxis gewährleistet sein.


 

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